Georgy Catoire

Catoire
Catoire

Erstaunt nimmt man zur Kenntnis, wie viele begnadete Komponisten von der Nachwelt mit völliger Mißachtung gestraft werden. Zu jenen großen „Unbekannten“ zählt auch der russische Komponist französischer Abstammung Georgy Catoire (1861–1926).

 

Der in Moskau geborene Catoire, der schon im Kindesalter eine besondere musikalische Begabung zeigte, nahm mit vierzehn Jahren in Berlin Klavierstunden bei dem Liszt-Schüler Karl Klindworth. 1884 schloss er ein Mathematikstudium an der Universität Moskau ab, dennoch fühlte er sich stärker zur Musik hingezogen und so begab er sich wieder nach Berlin, um seine Studien bei Karl Klindworth fortzusetzen. 1887 kehrte er endgültig nach Russland zurück, wo er seine musiktheoretische Ausbildung zunächst bei den Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow und Anatol Ljadow, schließlich aber autodidaktisch weiter verfolgte. 1916 übernahm er eine Professur für Komposition am Moskauer Konservatorium, die er bis zu seinem Tod innehatte.

 

Einige seiner Entdeckungen, die er auf den Gebieten der Harmonielehre und der Kompositionskunst machte, bildeten den Kern mehrerer bedeutender musiktheoretischer Abhandlungen, die er in den letzten Jahren seines Lebens herausbrachte. Catoires Œuvre als Komponist enthält neben zahlreichen Werken für Klavier solo unter anderem auch eine Sinfonie, ein Klavierkonzert sowie Lieder und Chormusik. Beachtenswert darüber hinaus sind seine kammermusikalischen Werke, darunter zwei Streichquartette, zwei Quintette, ein Klaviertrio sowie Kompositionen für Violine und Klavier.

 

Kein Geringerer als Peter Tschaikowsky, dessen Bekanntschaft er in seinen jüngeren Jahren machte, bescheinigte ihm, dass er als Komponist „sehr talentiert“ sei, und auch bei russischen Musikkritikern fanden seine technisch anspruchsvollen Werke große Anerkennung. Der bedeutende Musikschriftsteller Viktor Beljajew war von Catoires Schaffen so angetan, dass er bereits im Jahre 1927 eine Biographie über ihn herausbrachte. Ein anderer russischer Musikologe, der Komponist und enge Freund Alexander Scriabins, Leonid Sabanejew, schreibt in seinem Buch Moderne russische Komponisten (1927), Catoire habe unter „dem einzigen, aber heutzutage unentschuldbaren Makel der Bescheidenheit“ gelitten, „der Unfähigkeit, für sich selbst zu werben“, womit er sicherlich einen der Hauptgründe dafür benennt, warum Catoire nach seinem Tod nahezu der Vergessenheit anheim fiel.

 

Erfreulicherweise haben sich in letzter Zeit namhafte Interpreten, darunter einer der größten Pianisten unserer Zeit, der Kanadier Marc-André Hamelin, des Œuvres Catoires angenommen (CD bei Hyperion, 2014). Die russische Konzertpianistin, Kammermusikpartnerin und Musikwissenschaftlerin Anna Zassimova hat nicht nur einige von Catoires Werken auf CD eingespielt (Klavier solo, Lieder mit der Sopranistin Yana Ivanilova, Werke für Violine und Klavier mit Laurent Albrecht Breuninger), sondern auch eine 2011 im Verlag Ernst Kuhn (Berlin) erschienene Abhandlung mit dem Titel „Georges Catoire – seine Musik, sein Leben, seine Ausstrahlung“ veröffentlicht. CD-Einspielungen existieren u.a. mit dem Royal Scottish National Orchestra oder der Amsterdam Chamber Music Society.

 

Die Catoire-Musikinitiative möchte mit ihren gelegentlichen Konzertaufführungen einen Beitrag dazu leisten, diesen Komponisten wieder einem interessierten Publikum in Erinnerung zu rufen.